Veto! – Der Einspruch als Beziehungswerkzeug

Veto

In einigen Polybeziehungen gibt es sogenannte Veto-Vereinbarungen. Vetos sind im allgemeinen Regelungen, in denen eine oder mehrere Person die Entscheidung einer anderen Person negieren können. So kann zum Beispiel Widerspruch neuen Partnerschaften gegenüber ausgesprochen oder laufende (sekundär-)Beziehungen beendet werden. Vetos geben Macht und vermeintliche Sicherheit.

Veto – Filter und Hierachie

Eine Form des Vetos findet sich in heriarchischen Beziehungen. Oft haben hier die Personen in einer primären Partnerschaft das Recht, die Beendigung weiterer Beziehungen einzufordern. Dies soll häufig der Sicherheit der primären Beziehung dienen. Es bestärkt: „Unsere Beziehung kommt zuerst“. Auch Beziehungen, die den Weg aus der Monogamie in die Polyamorie suchen, bedienen sich gerne einer solche Abmachung.

Eine andere abgemilderte Variante ist die, in der bestehende Partner*innen ein Vetorecht gegenüber neuen Partnerschaften haben. Im Unterschied zur vorherigen Variante gilt das Veto hierbei nur am Anfang der neuen Beziehung(en). Sind Beziehungen bereits erwachsen, gibt es kein Veto mehr. Dies wird oft benutzt, um sicherzustellen, dass nur „passende“ Menschen in das bereits bestehende Gefüge einbezogen werden.

Doch Vetovereinbarungen bringen viele Probleme und – ultimativ – Schmerz mit sich.

Wer neu hinzu kommt, muss jederzeit damit rechnen raus zu sein. Ohne Angabe von Gründen. Egal, wie innig die Beziehung geworden ist. Egal, wie lange diese Beziehung schon angehalten hat. Obwohl das Veto vorher als akzeptables Mittel ausgemacht wurde, reißt es ein emotionales Loch. Und zwar mindestens bei den beiden, deren Beziehung beendet wird. Nicht die beste Grundlage für den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung.

Auch die abgeschwächte Variante des Vetos bringt seine Fallstricke mit. So kann zum Beispiel eine Person auf dem ersten Blick unpassend sein, sich aber später als wertvolle Ergänzung herausstellen. „Screening“-Vetos sorgen schnell dafür, dass uns wertvolle Erfahrungen entgehen. Sie drücken außerdem aus, dass wir der Entscheidungsfähigkeit unserer Partner*innen nicht vertrauen.

Alternativen zum Veto

Vetos beenden Dinge. Sie verhindern Kommunikation. Statt ein hartes Veto auszusprechen, kann es sich anbieten, das Gespräch zu suchen. Was stört mich an der Situation? Verunsichert mich etwas? Können wir gemeinsam an einer Lösung arbeiten?

Wenn wir zusammen versuchen, an uns zu arbeiten, können im Anschluss alle Beteiligten eine informierte Entscheidung fällen. Sie kann genauso fallen, wie es das bei einem Veto passiert wäre, aber sie gibt allen Seiten mehr Möglichkeiten, sich fair behandelt zu fühlen. Und wer weiß, vielleicht fällt die Entscheidung ja sogar vollkommen anders aus…

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